WolfsKraft Coaching Logo
WolfsKraftCoaching
·5 Min. Lesezeit

Multitasking schadet dir. Und macht dich nicht mal schneller

Von · Diplom-Pädagogin & THK® Coach ·

Pop-Art-Comic: Person jongliert gleichzeitig Laptop, Telefon, Kaffee und Notizzettel, sichtlich überfordert

Über die Lebenslüge der Produktiven: dass mehr gleichzeitig auch mehr geschafft heißt.

Du tippst eine Mail, hörst mit halbem Ohr im Call zu, checkst nebenbei die Nachricht, die gerade aufpoppt, und überlegst, ob du den Rückruf noch vor der Mittagspause schaffst. Fühlt sich an wie Hochleistung. Wie eine, die ihren Laden im Griff hat.

Ich muss dir etwas sagen, das dir keiner gern sagt: Dein Gehirn hat gerade nichts davon gleichzeitig gemacht. Es ist nur sehr schnell hin- und hergesprungen. Und jeder Sprung hat dich Zeit, Nerven und ein Stück Präsenz gekostet.

Dein Gehirn kann gar nicht multitasken

Das ist keine Willens- oder Übungssache. Dein Gehirn ist schlicht nicht dafür gebaut, zwei Dinge gleichzeitig bewusst zu bearbeiten. Was wir Multitasking nennen, heißt in der Forschung Task-Switching, also Aufgabenwechsel. Du machst nicht zwei Dinge auf einmal, du wechselst rasend schnell zwischen ihnen.

Jeder Wechsel läuft über zwei winzige innere Schritte: Erst muss dein Kopf das Ziel umstellen („jetzt Mail, jetzt Call“), dann die Regeln der neuen Aufgabe laden („wie ging das nochmal“). Klingt nach nichts. Ist es auch, einmal. Hundertmal am Tag wird daraus ein Loch, in dem deine Energie verschwindet.

Der Preis, schwarz auf weiß

Die Zahlen sind ziemlich unangenehm:

  • Ständiges Wechseln frisst bis zu 40 Prozent deiner produktiven Zeit. Nicht für die Arbeit, nur fürs Umschalten.
  • Du brauchst länger und machst mehr Fehler, als wenn du bei einer Sache bleibst. Schon kurze Unterbrechungen heben die Fehlerquote um rund ein Fünftel.
  • Echtes paralleles Arbeiten ohne Einbußen können etwa 2,5 Prozent der Menschen. Der Rest nicht. Und ja, ich weiß, du denkst gerade, du gehörst zu den 2,5 Prozent. Tust du statistisch nicht. Ich übrigens auch nicht.

Warum es sich trotzdem so gut anfühlt

Wenn es so teuer ist, warum machen wir es dann alle? Weil Multitasking sich nach Wichtigkeit anfühlt. Viele Bälle in der Luft, das Telefon glüht, der Kalender platzt. Das gibt einen kleinen Kick und das Gefühl, gebraucht zu werden.

Nur haben sich das Gefühl von Produktivität und die echte Leistung da längst verabschiedet. Du fühlst dich wie eine Hochleistungsmaschine und lieferst die Arbeit einer Überforderten. Das ist keine Schwäche, das ist Biologie. Sie wird nur teuer, wenn keiner sie dir erklärt.

Wann Multitasking doch okay ist

Damit das hier kein Multitasking-Bashing wird: Manchmal geht es. Nämlich dann, wenn eine der Tätigkeiten auf Autopilot läuft und kaum Aufmerksamkeit braucht.

Gehen und reden. Bügeln und telefonieren. Geschirrspüler einräumen und Podcast hören. Mails überfliegen, während du auf den Meeting-Start wartest. Eine Sache übernimmt der Autopilot, die andere dein Kopf. Sobald aber beide echtes Denken brauchen, also schreiben und zuhören, planen und ein Gespräch führen, bricht die Qualität weg. Zwei bewusste Dinge gleichzeitig gibt es nicht.

Die unbequeme Verbindung zum Gedankenkarussell

Jetzt der Teil, der über reine Produktivität hinausgeht. Multitasking und das ständige Gedankenkreisen sind zwei Gesichter desselben Musters. Und sie füttern sich gegenseitig.

In die eine Richtung: Wer den ganzen Tag springt, trainiert seinem Gehirn das Wegspringen an. Irgendwann driftet der Kopf auch dann ab, wenn du eigentlich bei einer Sache bleiben willst. Multitasking macht ablenkbar, dauerhaft.

In die andere Richtung wird es ehrlich: Manchmal multitasken wir gar nicht, um mehr zu schaffen, sondern um nicht zu fühlen. Wenn überall ein Reiz läuft, ein Bildschirm, ein Ohr im Call, ein Auge auf dem Handy, dann ist kein Platz für die leise Unruhe darunter. Die mentale Einkaufsliste und die fünf offenen Tabs tun dasselbe: Sie halten ein Gefühl auf Abstand. Mehr dazu, warum der Kopf vor Gefühlen flüchtet, steht im Artikel zum Gedankenkarussell.

Die Forschung sieht genau diesen Zusammenhang: Viel Multitasking mit Medien hängt mit mehr Grübeln zusammen, und mehr Grübeln mit mehr Anspannung und gedrückter Stimmung. Der Kreis schließt sich, und er dreht sich schneller, je mehr Reize du hineinwirfst.

Was hilft: das Unbequeme üben

Die Lösung klingt unspektakulär und fühlt sich anfangs falsch an: eine Sache. Zu Ende. Ohne zweiten Reiz.

Das ist kein Rückschritt, auch wenn es sich langsamer anfühlt. Die gefühlte Langsamkeit ist in Wahrheit: weniger Fehler, mehr Präsenz, mehr Erinnerung. Du machst nicht weniger, du machst es endlich ganz.

Fang klein an. Eine Mail schreiben, ohne nebenbei das Postfach zu scannen. Ein Gespräch führen, ohne das Handy in Sichtweite. Essen, ohne Bildschirm. Dein System wird zappeln und sofort einen zweiten Reiz suchen wollen. Genau dieses Zappeln auszuhalten ist die Übung. Es zeigt dir nämlich, wie unruhig es unter der ganzen Geschäftigkeit eigentlich ist.

Und wenn du merkst, dass du es kaum aushältst, bei einer Sache zu bleiben, ist das keine Charakterschwäche. Es ist ein Hinweis, dass dein Nervensystem die Pause verlernt hat. Genau da arbeite ich mit empathischen Fach- und Führungskräften. Ob das zu dir passt, finden wir im kostenfreien Erstgespräch heraus.

„Du musst nicht mehr gleichzeitig schaffen. Du darfst endlich bei einer Sache ganz da sein.“

— Aicha Wolfs

Wissenswertes

Fragen zu diesem Thema

Funktioniert Multitasking wirklich nicht?+
Bei Aufgaben, die echtes Nachdenken brauchen, nein. Das Gehirn arbeitet sie nicht gleichzeitig ab, sondern springt zwischen ihnen hin und her, und dieses Springen kostet Zeit und erhöht die Fehlerquote. Es funktioniert nur, wenn eine Tätigkeit automatisch läuft (etwa gehen, bügeln) und die andere Aufmerksamkeit braucht.
Warum bin ich beim Multitasking so vergesslich?+
Weil dein Gehirn nur abspeichert, worauf du wirklich Aufmerksamkeit gerichtet hast. Wer ständig springt, beachtet vieles nur halb, und Halbbeachtetes landet kaum im Gedächtnis. Die Lücke ist meist kein Gedächtnisproblem, sondern eine Aufmerksamkeitslücke, und sie ist umkehrbar.
Hängt Multitasking mit Stress und Grübeln zusammen?+
Ja. Häufiges Multitasking hält das Nervensystem in Aufregung und ist mit mehr Gedankenkreisen, Anspannung und gedrückter Stimmung verknüpft. Manche nutzen die vielen Reize auch unbewusst, um unangenehme Gefühle nicht spüren zu müssen.
Wie höre ich mit dem Multitasking auf?+
In kleinen Schritten Single-Tasking üben: eine Sache zu Ende bringen, ohne zweiten Reiz. Anfangs unangenehm, weil das System nach Ablenkung sucht. Genau dieses Aushalten ist das Training, das nach und nach wieder Fokus und Ruhe zurückbringt.
WolfsKraft Coaching — zertifizierter Coach

Bereit für den ersten Schritt?

Dein Weg beginnt mit einem Gespräch

In einer unverbindlichen Impuls-Session lernen wir uns kennen. Du erzählst, was dich bewegt — und wir schauen gemeinsam, wie ich dich unterstützen kann.